Kurt Söser

HAK Steyr 4punkt0

black smile - quadrat

oder: SURFACE für alle!!!

Vor den Sommerferien ging es noch mal ordentlich „heiß her“ an meiner Schule (HAK Steyr). Mitten in den Sommerferien finde ich nun endlich Zeit, das Ganze auch ausführlich zu verschriftlichen. Dieser Beitrag ist als Teil einer Serie geplant, die ein großes Schulprojekt meiner Schule begleiten soll.

Im Rahmen des IT-Anschaffungen wurde ein Projekt auf Schiene gebracht, das sich als Schul-Entwicklungsprojekt gestaltet. 50 Kolleginnen und Kollegen der HAK Steyr wurden mit einem Surface ausgestattet! Aber viel mehr noch…

In diesem Blog-Post soll (noch) nicht auf den technischen Hintergrund (und wie wir die Surface-Geräte mit Microsoft Intune aufgesetzt haben) eingegangen werden, sondern „nur“ das Grundkonzept und -überlegungen dargestellt werden.

IT-Budget

Da ich immer auf meinen Fortbildungen gefragt werde: „Wer zahlt’s?“ bzw. „Woher nehmen?“ fange ich mal mit dem „lieben Geld“ an.

Die Bundeshandelsakademien in Österreich haben ja einen „besonderen Status“ was IT-Austattungen angeht. Da wir Fächer im Lehrplan haben wie z.B. „Office Management“ oder „Wirtschaftsinformatik“ sind die HAKS (im Vergleich zu Gymnasien) ganz gut in Sachen IT-Infrastruktur ausgestattet. Die HAK Steyr nimmt hier noch eine besondere Stellung ein, da wir seit Jahrzehnten den Ruf einer modernen, top-ausgestatteten Schule haben. Mittlerweile haben wir  ca. 250 Schul-PCs (für ca. 550 S/S+ 80 L/L)  in mehr als 10 Computerräumen (PC + Beamer in jedem Klassenzimmer seit mehr als 15 Jahren), flächendeckend WLAN und setzen jetzt seit 8 Jahren auf Office 365.

So wird vom Bund alle 4 bis 5 Jahre ein IT-Budget veranschlagt, mit dem diese Infrastruktur erneuert bzw. erweitert werden „darf“. (Im Vergleich zu Firmen ist dieses Budget dann doch wieder eher spärlich, aber andere Schulen können von solchen Beträgen nur träumen.

Vor drei Jahren hat das dann wie nebenstehend ausgesehen. Also hier kommt bei einer HAK in unserer Schulgröße schon ordentlich was zusammen…“

Schule vs. Personen „ausrüsten“

Aber all die moderne Ausstattung bringt nichts ohne einem „modern ausgerichteten“ Kollegium.

Ich kann durch meine vielen Fortbildungen und Workshops in unterschiedlichsten Schulen sagen, dass bei uns an der HAK Steyr manche Dinge einfach schon weiter fortgeschritten sind und sich dies natürlich auch im Kollegium wiederspiegelt. Da wir im Konferenzzimmer „nur“ 8 PCs für die ca. 80 Lehrpersonen zur Verfügung haben, ist das Arbeiten mit digitalen Tools doch etwas beschränkt. Hinzu kommt noch, dass das ständige An- und Abmelden in die Schulumgebung doch etwas mühsam ist.

Hier sehe ich an den Schulen mittlerweile das größte Problem, das einem modernen Arbeiten im Weg steht: Entweder wird in vielen Schulen gleich nur ein einziger Login für den/die Lehrer-PC(s) verwendet – was dann zu katastrophalen Arbeitsumgebungen und auch datenschutzrechtlichen Problemen führen kann – oder es gibt personalisierte Profile, die aber weit weg von individuellem Arbeiten sind. Es werden größtenteils immer Standard-Umgebungen bzw. Muster-Profile aufgesetzt, wo L/L so gut wie nix ändern können. Dasselbe gilt übrigens für Schüler-PCs.

 

Mit der Einführung der Tablet-Klassen vor 4 Jahren sind auch im Laufe der Zeit auch Kolleginnen und Kollegen auf den „Stift-Geräte-Zug“ aufgesprungen (ca. 10) und verwenden ihre eigenen Geräte in der Schule. Weiters verwenden natürlich auch einige ihren eigenen Laptop und ohne genaue Daten zu haben, so würde ich sagen, dass hier ca. 1/4 der Kollegen ihr privates Gerät in der Schule einsetzen, wobei etwa die Hälfte diesen auch mit in den Unterricht nimmt.

Eines der Erfolgs“geheimnisse“ der Smartphones ist für mich die Individualiserbarkeit des Geräts. Kein Smartphone gleicht dem anderen und fast jeder richtet sich die Umgebung so ein, wie er/sie das braucht. Wenn man zwei Schüler-Smartphones miteinander vergleicht, dann wird schnell klar, dass nicht nur das Modell oder die Handyhülle, sondern auch die Apps, das Layout und andere Dinge sich sehr unterscheiden.
Im schulischen IT-Bereich ist dem nicht so. Jeder Lehrer/Schüler muss mit der selben Umgebung arbeiten,  kann so gut wie keine Anpassungen vornehmen und hat keine Chance sich die digitale Arbeitsumgebung so herzurichten wie er das braucht. Manche werden jetzt sagen, dass ist in einer Firma auch so, aber ich denke, dass gerade ein so individueller Prozess wie Lehren und Lernen auch eine individualisierte Lehr- und Lernumgebung benötigt

Seit den 1990er Jahren werden Schulen (wie auch Firmen) mit Stand-PCs ausgestattet und auch zentral verwaltet. Die Komplexität dieser Systeme ist enorm und hat noch ein weiteres Problem, das so in der Wirtschaft nicht vorhanden ist: An einem Gerät müssen sich (bei uns an der HAK Steyr) theoretisch bis zu 700 verschiedene Personen anmelden können (und um 7:45 melden sich bei uns ca. 250 Personen gleichzeitig am System an). Es kann sein, dass ein Schüler jeden Tag/jede Woche vor einem anderen PC sitzt und somit ist eine echte Individualisierung der Arbeitsumgebung ein Problem.

Die Lösungen für dieses Problem sind vielfältig und sagen wir mal „ganz speziell“.  Manche Schulen arbeiten mit „virtuellen Computer“, manche haben sogenannte „Roaming Profiles“ und noch vieles mehr, und IT-Firmen haben sich darauf spezialisiert, dezidierte Schulumgebungen aufzusetzen.

Bei uns an der HAK Steyr bedeutet das, dass zwar die Schüler alle ihren eigenen Login haben, aber es nur ein „Profil“ gibt, also bei allen alles gleich aussieht (Dateien können natürlich noch in eigene Netzlaufwerk-Ordner gespeichert werden, auf die aber nur äußerst mühsam von zuhause zugegriffen werden kann – Es lebe der USB Stick…). Dazu kommt, dass kein Windows Store oder Apps auf den PCs läuft. (ein weiteres Problem, da die Schul-PCs ganz anders aussehen, als eventuelle Heim-Computer der Kids)

Das effektive Arbeiten mit OneDrive oder OneNote in der Schul-Infrastruktur ist schon deshalb nicht möglich, da es dem User (aus nachvollziehbaren Gründen) nicht erlaubt ist, auf der Festplatte C: etwas zu speichern und somit die OneDrive-Synchronisation bzw. der OneNote-Cache nicht funktioniert. Auch eine Anmeldung an Office „merkt“ sich das System bei uns nicht, sodass viele Features einfach nicht nutzbar sind. Die Liste ginge noch weiter…

Alles in allem muss ich sagen, dass die vielen Entwicklungen der letzten Jahre im Microsoft-Bereich in unserer Schule schlichtweg nicht sinnvoll einsetzbar sind (oder nur mit „hacks“), da in vielerlei Hinsicht das System so läuft, wie das in den 90er/ 00er-Jahren erdacht wurde. 

Jedem Lehrer sein Arbeitsgerät

Ich persönlich hab als Lehrer schon immer mit meinem privaten Gerät in der Schule gearbeitet habe, um hier meine individuelle (und somit auch effektive) Arbeitsumgebung zu haben. (Das ist ein großer Unterschied zur Wirtschaft, denn in Summe habe ich hier schon mehr als 15.000 € für Geräte ausgegeben, die ich für meine Arbeit verwende)
Die Entwicklung hin zur Tablet-Klasse hätte ohne meinen Stift-basierten Gerät niemals entstehen können und viele Dinge in meinem Unterricht sind ausschließlich nur dann möglich, wenn ich mit meinem eigenen Gerät arbeite.

Als ich im Frühjahr mitbekommen habe, dass die HAK Steyr schon ein Jahr verfrüht das IT-Budget zur Verfügung gestellt bekommt, habe ich mich dafür eingesetzt, dass die Lehrer der HAK Steyr (aus den oben angeführten Gründen) ihr ganz persönliches Arbeitsgerät bekommen.
Gott-sei-Dank bin ich hier auf offene Ohren der Schulleitung gestoßen. Aufgrund der verschiedensten Ziele und Visionen wurde sehr rasch festgelegt, dass wir 25 Surface Go und 25 Surface Pro anschaffen und diese in einem Schulentwicklungsprojekt (anders macht das keinen Sinn) den Kolleginnen und Kollegen noch vor den Sommerferien aushändigen wollten. 
 
Die Erstellung und Umsetzung eines dahinterliegenden, gesamtheitlichen Konzepts habe ich in die Hände genommen. Von einem der inspirierendsten Menschen und seinem mittlerweile berühmten TED-Talk habe ich mich bei der Erstellung des dahinterliegenden Konzepts leiten lassen. Hier ein kleiner Einblick in meine Überlegungen.

ALways start with why!

Simon Sinek

Why?

Der Einsatz von digitalen Tools ist in der HAK Steyr seit Jahren ein Aushängeschild (nach außen) und hat auch innerhalb der Schule zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung geführt.

Die HAK Steyr hat nicht nur einen ausgezeichneten Ruf in diesen Dinge, sondern dadurch auch einen Zustrom von Schülerinnen und Schüler! Moderner, zeitgemäßer Unterricht ist das „Entscheidungskriterium“ in berufsbildenden Schulen

Die Anforderungen an einen modernen Unterricht erfordern jedoch auch moderne Hilfsmittel und individuelle (!) Arbeitsumgebungen.

Einige Kollegen haben sich hier schon auf den Weg gemacht und auf Privat-Initiative Erfahrungen gemacht und sich individuell „weiterentwickelt“, die aktuelle Hardware-Ausstattung an der HAK Steyr „hemmt“ aber die persönliche Weiterentwicklung der L/L auf breiter Basis

How?

Daher ist der nächste, logische und zwingende Schritt eine Professionalisierung und Individualisierung auf breiter (!) Basis. Die unterschiedlichen „Entwicklungs-Levels“ verhindern jedoch ein „one-fits-all“-System.

Das bedeutet, dass eine persönliche Entwicklung nur mit individuellen Geräten und im individuellen Tempo erfolgen kann.

Mit der Anschaffung von 50 Surface-Devices für LL der HAK Steyr soll eine Professionalisierung des Unterrichts im Bereich „digital skills“ erfolgen und neue Möglichkeiten für modernen Unterricht entstehen.

Dabei steht nicht das „digitale Gerät“ im Mittelpunkt, sondern die (Weiter-)Entwicklung von Unterrichtsszenarien und die neuen Möglichkeiten, die sich durch neue Infrastruktur ergeben.

Es geht es um eine „ganzheitliche Transformation“ des Unterrichts und nicht nur um digitale Werkzeuge der Werkzeuge wegen einzusetzen!

Der Unterricht soll nicht nur mit digitalen Tools „angereichert“ werden, sondern es geht auch um eine Veränderung in Hinblick auf Unterrichtsmethoden und  -inhalte.

Dazu gibt es nebenstehende Initiativen/Unterstützungen

What?

  • Individualisiertes LL-Gerät (Surface Pro/Surface Go)
  • Einsatz des Gerätes innerhalb und außerhalb des Unterrichts
  • Basis-Know-How und fundierter Umgang mit der Hardware (Surface, Pen, Tastatur,…)
  • Fundiertes Wissen über den Einsatz und Möglichkeiten von
    Surface + Windows
  • OneNote
  • MS Teams
  • Laufenden Fortbildung/“Meet-Ups“ um „am Ball zu bleiben“
  • Buddy-System: Helfen wir uns gegenseitig!
  • Fächerspezifische Kanäle bzw. Unterlagen  für den Unterricht mit dem Tablet
Aus diesem WHY-HOW-WHAT-„mission statement“ haben sich mehrere Ziele ergeben, ein paar davon lauten:
 
  • Das oberste Ziel ist, dass den Kolleginnen und Kollegen durch den Einsatz eines eigenen, personalisierten Gerätes (mit Stifteingabe) eine professionelle Weiterentwicklung in ihrer Arbeits- und Unterrichtsweise ermöglicht wird. Mit der vorhandenen Infrastruktur (keine personalisierbaren Schul-PCs, „nur“ 8 stationäre Lehrer-PCs, …) ist dies nicht durchführbar. Darum MUSS ein individuelles Arbeitsgerät in die Hände der Kolleginnen und Kollegen sein!
  • Unterricht soll vermehrt „digital inklusiv“ erfolgen (Digitales nicht mehr als Addendum). 
  • Effizienzsteigerung im organisatorischen Bereich (Infos von der Schulleitung, Formulare, …) durch Etablierung eines Lehrer-„one-top-shop“ (via Microsoft Teams)
  • Jeder einzelne Lehrer/jede einzelnen Lehrerin soll (Unterrichts-)Zeit gewinnen.
    Allein wenn ich daran denke, dass sich manche Kolleginnen und Kollegen bis zu 20 mal pro Woche in den Schul-PC in den Klassen einloggen müssen (Wartezeit mind. 20 Sek.), dann auf WebUntis gehen, sich dort wiederum einloggen und Anwesenheit und Stoff eintragen müssen (Dauer 2 Minuten Minimum), dann ist das einfach zeitraubend und mühselig.
    Durch das Arbeiten mit dem personalisierten Gerät sollen Unterrichtsvorbereitungen einfach und rasch in den Unterricht gebracht werden können. (Keine Hin- und Herkopieren, USB-Stick-„Problematik“ ausmerzen, 
  • Datensensibilität und Datenschutz („USB Stick liegen gelassen“ bzw. „Netzlaufwerke mit heiklen Daten“) soll erhöht werden.
  • Einsatz von Learning Management System (Microsoft Teams + OneNote)
  • Befähigung der Lehrerinnen und Lehrer zum Unterricht in einer der HAK Steyr Tablet PLUS Klassen (OneNote Class Notebooks,…)

Kick Off

Nach unzähligen Stunden der Organisation, Vorbereitung und Abwicklung des Kaufprozesses (dazu einmal ein anderer Bericht) konnten wir am vorletzten Schultag mit einem von mir geleiteten kurzen Kick-Off die Geräte in die Hände der Kolleginnen und Kollegen übergeben. 

Eine der Kernideen ist, dass sich die Kolleginnen und Kollegen in den Sommerferien, angeleitet durch Arbeitsaufträge und Info-Material (in OneNote und Microsoft Teams bereitgestellt) mit der Handhabung der Surface vertraut machen und zugleich auch die für unsere Schulentwicklungsziele wichtigsten Apps wie OneNote und Microsoft Teams kennenlernen. 

Microsoft Teams + OneNote als Zentrale​

Mit der „Ausgabe“ der Geräte wurden die Kolleginnen und Kollegen zu einem vorbereiteten Microsoft Team mit einem Klassennotizbuch eingeladen, wo sich alle Inhalte für das selbständige Lernen befinden. In einem gemeinsamen Schritt wurde das Klassennotizbuch auf das Gerät „gemappt“, sodass jeder sofort aus der OneNote App auf das Notizbuch Zugriff hat.

Im Kursnotizbuch befinden sich verschiedene Abschnitte, drei davon sind als „Selbstlernumgebung“ konzipiert: 

  • Surface+Windows: Grundlagen zum Umgang mit dem Surface (Hard- und Software, Stift, Tastatur,…) und auch zu Windows 10
  • OneNote: OneNote Selbstlernmaterial mit allen Dingen für komplette Neueinsteiger
  • Microsoft Teams: Arbeitsaufträge zum Erlernen und sicheren Umgang mit Microsoft Teams.

 

Dabei wurde jeder Abschnitt immer auf zwei verschiedene Levels aufgebaut.

Das Konzept sieht vor, dass alle Kolleginnen und Kollegen sich bei Erhalt eines Gerätes auch wirklich „comitten“, also wirklich an diesem Schulentwicklungsprozess aktiv teilnehmen. So wurde von der Schulleitung festgelegt, dass Level 1 von jedem (!) bis zum erweiterten Schulbeginn erledigt sein soll. Um dies auch sauber zu „dokumentieren, habe ich in Microsoft Teams Aufgaben erstellt, die jedes einzelne „Arbeitspaket“ und Level mit einem Arbeitsauftrag/Quiz abschließt.

Ein Hintergedanke hierzu ist auch, dass die Kolleginnen und Kollegen mit der Funktionsweise von Microsoft Teams vertraut werden und ein Ziel des Schulentwicklungsprozesses ist, dass sie dies in weiterer Folge verstärkt auch in ihrem eigenen Unterricht einsetzen

Wie geht’s weiter?

Der nun so über die Sommerferien initiierte Prozess soll dann ab Herbst mithilfe von regelmäßigen Micro-Fortbildungen und einem Buddy-System weitergeführt werden und somit auch eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Kolleginnen und Kollegen ermöglicht werden.  Begleitend werde ich immer wieder auch eine Evaluation mittels anonymer Fragebögen durchführen und auswerten, um hier diese Schulentwicklung zu begleiten. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich dieses Projekt weiter entwickelt und ob wir in fünf Jahren auf den Sommer 2019 zurückblicken können und sagen können, dass die Anschaffung von Lehrer-Geräten zu einer echten Schul-Transformation geführt haben.
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